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Johanniskraut: Wechselwirkungen mit Pille & Medikamenten

Johanniskraut gilt als mildes Kraut – doch in der Leber ist es ein starker Anschieber: Es kann die Antibabypille, Antidepressiva und Blutverdünner unbemerkt schwächen. Was hinter der stillen Enzymwirkung steckt und worauf Sie achten sollten.

WW
Wurzelwerk-Redaktion
Veröffentlicht am 11. März 2026 · 8 Min. Lesezeit
Getrocknetes Johanniskraut mit gelben Blüten neben einer leeren Tablettenblisterpackung und einem Fläschchen mit rötlichem Rotöl auf hellem Leinen
Johanniskraut wirkt sanft – auf den Arzneimittelabbau aber kräftig · Bildmotiv

Johanniskraut gilt als sanftes Kraut für trübe Tage und wird traditionell bei gedrückter Stimmung angewendet. Pharmakologisch ist die Pflanze aber alles andere als harmlos. Sie kurbelt in der Leber den Abbau vieler Medikamente an – meist völlig unbemerkt. Dadurch kann Johanniskraut die Wirkung der Antibabypille, von Antidepressiva, Blutverdünnern und weiteren Arzneien abschwächen. Dieser Beitrag erklärt die unsichtbare Enzymwirkung verständlich und liefert eine konkrete Checkliste. Wer Medikamente einnimmt, sollte Johanniskraut immer vorab ärztlich oder in der Apotheke abklären.

Warum Johanniskraut den Abbau anderer Arzneien verändert

Warum verändert Johanniskraut den Abbau anderer Arzneien?

Johanniskraut aktiviert in Leber und Darm einen körpereigenen Schalter, der bestimmte Entgiftungssysteme hochfährt. Diese Systeme bauen viele Wirkstoffe schneller ab, sodass weniger Medikament im Blut ankommt. Fachleute nennen das Enzyminduktion – der Hauptverantwortliche ist der Pflanzenstoff Hyperforin.

Zwei Bausteine stehen im Mittelpunkt. Das Leberenzym CYP3A4 zerlegt einen großen Teil aller gängigen Medikamente. Der Transporter P-Glykoprotein schleust Wirkstoffe aus den Zellen zurück in den Darm. Johanniskraut regt beide an. Die Folge: Der Körper entsorgt Arzneien rascher, ihre Wirkung sinkt – oft, ohne dass man etwas davon spürt.

Entscheidend ist die Menge an Hyperforin. Eine große Übersichtsarbeit von 2020 fasste zusammen, dass stark hyperforinhaltige Präparate den Abbau am kräftigsten anheizen. Hoch dosierte Extrakte aus der Apotheke wirken deshalb anders als ein schwacher Tee. Der Effekt baut sich über ein bis zwei Wochen auf – und klingt nach dem Absetzen ähnlich langsam wieder ab.

1–2 Wochen
So lange kann es dauern, bis sich der Arzneiabbau nach dem Absetzen wieder normalisiert
13–15 %
weniger Verhütungshormon im Blut zeigte sich in einer Studie unter Johanniskraut
CYP3A4
das Leberenzym, das Johanniskraut anregt und das viele Medikamente abbaut

Mit welchen Medikamenten gibt es Wechselwirkungen?

Mit welchen Medikamenten hat Johanniskraut Wechselwirkungen?

Betroffen ist eine lange Liste. Dazu zählen die Antibabypille, viele Antidepressiva, Blutverdünner wie Phenprocoumon, das Herzmittel Digoxin, Immunsuppressiva nach Transplantationen sowie bestimmte HIV-, Krebs- und Cholesterinmedikamente. Gemeinsam ist ihnen, dass Johanniskraut ihren Spiegel im Blut senken und die Wirkung schwächen kann.

Besonders heikel wird es bei Arzneien mit enger Sicherheitsspanne. Bei Immunsuppressiva wie Ciclosporin kann ein Wirkverlust ein transplantiertes Organ gefährden; dokumentiert sind sogar Abstoßungsreaktionen. Auch bei HIV- oder Krebstherapien ist ein Absinken des Wirkstoffs riskant. Solche Mittel und Johanniskraut gehören nicht zusammen.

Arzneigruppe (Beispiel)Mögliche FolgeWorauf achten
Antibabypille (Ethinylestradiol)Verhütung kann nachlassen, ZwischenblutungenZusätzlich nicht-hormonell verhüten; ärztlich klären
Antidepressiva (SSRI, z. B. Sertralin)Risiko für ein Serotonin-SyndromNicht ohne ärztliche Rücksprache kombinieren
Blutverdünner (Phenprocoumon / Marcumar)Gerinnungshemmung kann nachlassenRegelmäßige Gerinnungskontrolle (INR)
Herzmittel (Digoxin)Wirkstoffspiegel kann fallenÄrztliche Kontrolle des Spiegels
Immunsuppressiva (Ciclosporin, Tacrolimus)Gefährlicher Wirkverlust, Abstoßung möglichJohanniskraut meiden
HIV-, Hepatitis- und KrebsmedikamenteWirkung kann deutlich sinkenJohanniskraut meiden; ärztliche Rücksprache
Bestimmte Cholesterinsenker (Simvastatin)Wirkung kann abnehmenÄrztlich besprechen
Tipp für unterwegs

Wer Johanniskraut auf Reisen mitnimmt, sollte es wie ein echtes Medikament behandeln und mögliche Wechselwirkungen mitdenken – gerade neben der Pille oder anderen Tabletten. Wie eine durchdachte Hausapotheke für den Koffer aussieht, zeigt unsere Checkliste für den Urlaub.

Johanniskraut und die Pille

Schwächt Johanniskraut die Wirkung der Pille ab?

Ja, das ist gut belegt. In einer Studie mit gesunden Frauen senkte Johanniskraut die Aufnahme der Verhütungshormone um etwa 13 bis 15 Prozent. Gleichzeitig traten mehr Zwischenblutungen auf, und bei einigen Teilnehmerinnen reiften Eibläschen heran – ein Zeichen, dass ein Eisprung möglich wurde.

Für die Praxis heißt das: Die Pille kann unsicherer werden. Zwischenblutungen sind ein Warnsignal, aber kein verlässlicher Alarm – die Verhütung kann auch ohne sie versagen. Wer hormonell verhütet und Johanniskraut erwägt, sollte das ärztlich besprechen und in der Zwischenzeit zusätzlich mit Kondom verhüten.

Verhütung nicht dem Zufall überlassen

Wer die Pille nimmt, sollte Johanniskraut nicht ohne ärztliche Rücksprache anwenden. Die Verhütung kann unbemerkt versagen, auch ohne Zwischenblutungen. Bis zur Klärung zusätzlich nicht-hormonell verhüten, etwa mit Kondom. Bei anhaltender Unsicherheit oder Beschwerden ärztlichen Rat einholen.

Johanniskraut und Antidepressiva

Darf man Johanniskraut zusammen mit Antidepressiva einnehmen?

Nur nach ärztlicher Rücksprache – und meist wird davon abgeraten. Johanniskraut wirkt selbst auf den Botenstoff Serotonin. Kombiniert mit Antidepressiva wie SSRI kann der Serotonin-Spiegel zu stark steigen. Dann droht ein Serotonin-Syndrom mit Unruhe, Zittern, Herzrasen und Fieber.

Ein schweres Serotonin-Syndrom ist ein Notfall. Treten nach der Einnahme starke Unruhe, Verwirrtheit, Muskelzuckungen oder hohes Fieber auf, zählt jede Minute – im Zweifel den Notruf 112 wählen. Wer bereits ein Antidepressivum nimmt, sollte Johanniskraut niemals eigenmächtig ergänzen oder absetzen, sondern das ärztlich klären.

Blutverdünner und Operationen

Beeinflusst Johanniskraut Blutverdünner wie Marcumar?

Ja. Johanniskraut kann die Wirkung von Gerinnungshemmern wie Phenprocoumon – bekannt als Marcumar – abschwächen. Der Körper baut den Wirkstoff schneller ab, die Blutverdünnung lässt nach. Das erhöht das Risiko für gefährliche Blutgerinnsel, etwa eine Thrombose.

Wer solche Mittel nimmt, braucht regelmäßige Gerinnungskontrollen. Beginnt oder beendet man Johanniskraut, kann sich der Bedarf verschieben. Solche Anpassungen gehören in ärztliche Hand, niemals in Eigenregie.

Wie lange sollte man Johanniskraut vor einer Operation absetzen?

Fachleute der Anästhesie raten, Johanniskraut vor planbaren Eingriffen rechtzeitig abzusetzen. Häufig ist von rund fünf Tagen die Rede, teils auch von ein bis zwei Wochen. Grund ist der veränderte Arzneiabbau, der Narkose- und Schmerzmittel beeinflussen kann.

Wichtig ist, alle pflanzlichen Mittel vor einer Operation offen anzugeben – auch rezeptfreie. Das Behandlungsteam entscheidet dann, wann und wie abgesetzt wird. Den genauen Zeitpunkt sollte man mit der Ärztin oder dem Arzt festlegen.

Sonnenlicht und Drogerie-Präparate

Macht Johanniskraut die Haut lichtempfindlich?

Das kann vorkommen. Der Inhaltsstoff Hypericin kann die Haut empfindlicher für Sonnenlicht machen – vor allem in höheren Dosierungen und bei hellem Hauttyp. Möglich sind dann rascher Sonnenbrand oder Hautrötungen. Intensive Sonne und Solarium meidet man in dieser Zeit besser.

Für die meisten Menschen bleibt der Effekt bei üblicher Dosierung gering. Wer aber viel Zeit in der Sonne verbringt oder empfindlich reagiert, sollte auf guten Sonnenschutz achten und die Einnahme im Zweifel ärztlich besprechen.

Ist rezeptfreies Johanniskraut aus der Drogerie unbedenklich?

Rezeptfrei heißt nicht risikofrei. Auch frei verkäufliche Präparate und Tees enthalten Hyperforin und können Wechselwirkungen auslösen. Niedrig dosierte Produkte wirken oft schwächer, ein Restrisiko bleibt aber – gerade bei dauerhafter Einnahme oder mehreren Medikamenten.

Der freie Verkauf verleitet dazu, Johanniskraut für harmlos zu halten. Sinnvoller ist der nüchterne Blick auf Nutzen und Risiken – so wie in unserem Faktencheck zur Nachtkerze. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, klärt die Kombination am besten vorab in der Apotheke oder Praxis.

Häufige Fragen

Mit welchen Medikamenten hat Johanniskraut Wechselwirkungen?

Johanniskraut kann mit vielen Arzneien wechselwirken. Betroffen sind unter anderem die Antibabypille, viele Antidepressiva, Blutverdünner wie Phenprocoumon (Marcumar), das Herzmittel Digoxin, Immunsuppressiva nach Transplantationen sowie bestimmte HIV-, Krebs- und Cholesterinmedikamente. In der Regel schwächt Johanniskraut deren Wirkung ab, weil es den Abbau in der Leber beschleunigt. Bei manchen dieser Mittel kann ein Wirkverlust ernste Folgen haben. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Kombination deshalb immer vorab ärztlich oder in der Apotheke abklären.

Schwächt Johanniskraut die Wirkung der Pille ab?

Ja, Johanniskraut kann die Pille unsicherer machen. In einer Studie mit gesunden Frauen sank die Aufnahme der Verhütungshormone um etwa 13 bis 15 Prozent. Zugleich traten mehr Zwischenblutungen auf, und bei einigen Frauen deutete sich ein Eisprung an. Damit steigt das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft. Zwischenblutungen können ein Hinweis sein, sind aber kein verlässliches Warnzeichen. Wer hormonell verhütet, sollte auf Johanniskraut möglichst verzichten oder es ärztlich besprechen und zusätzlich mit einer nicht-hormonellen Methode wie dem Kondom verhüten.

Darf man Johanniskraut zusammen mit Antidepressiva einnehmen?

Davon wird meist abgeraten. Johanniskraut wirkt selbst auf den Botenstoff Serotonin. In Kombination mit Antidepressiva wie SSRI kann der Serotonin-Spiegel zu stark ansteigen und ein Serotonin-Syndrom auslösen – mit Unruhe, Zittern, Herzrasen, Schwitzen und Fieber. Ein schwerer Verlauf ist ein medizinischer Notfall. Ebenso problematisch ist es, ein Antidepressivum eigenmächtig durch Johanniskraut zu ersetzen. Beides gehört in ärztliche Hand. Wer bereits Antidepressiva nimmt, sollte Johanniskraut nicht ohne Rücksprache ergänzen, wechseln oder absetzen.

Wie lange sollte man Johanniskraut vor einer Operation absetzen?

In der Regel einige Tage vorher. Fachleute der Anästhesie raten, Johanniskraut vor planbaren Operationen rechtzeitig abzusetzen; häufig ist von rund fünf Tagen die Rede, teils auch von ein bis zwei Wochen. Grund ist der veränderte Abbau von Arzneien, der Narkose- und Schmerzmittel beeinflussen kann. Den genauen Zeitpunkt legt das Behandlungsteam fest. Wichtig ist, vor dem Eingriff alle pflanzlichen Mittel offen anzugeben – auch rezeptfreie Präparate und Tees. So lässt sich das Risiko unerwünschter Wechselwirkungen während der Narkose senken.

Beeinflusst Johanniskraut Blutverdünner wie Marcumar?

Ja. Johanniskraut kann die Wirkung von Gerinnungshemmern wie Phenprocoumon, bekannt als Marcumar, abschwächen. Der Körper baut den Wirkstoff schneller ab, sodass die Blutverdünnung nachlässt. Das erhöht das Risiko für gefährliche Blutgerinnsel wie eine Thrombose. Wer solche Mittel nimmt, braucht regelmäßige Gerinnungskontrollen. Beginnt oder beendet man Johanniskraut, kann sich der Bedarf an Blutverdünner verändern. Solche Anpassungen sollten immer ärztlich begleitet werden und niemals in Eigenregie erfolgen.

Ist rezeptfreies Johanniskraut aus der Drogerie unbedenklich?

Rezeptfrei bedeutet nicht risikofrei. Auch frei verkäufliche Präparate, Kapseln und Tees enthalten den Inhaltsstoff Hyperforin und können Wechselwirkungen auslösen. Niedrig dosierte Produkte wirken oft schwächer, ein Restrisiko bleibt aber – besonders bei dauerhafter Einnahme oder wenn gleichzeitig andere Medikamente eingenommen werden. Der freie Verkauf verleitet dazu, die Pflanze für harmlos zu halten. Wer regelmäßig Arzneien nimmt, hormonell verhütet oder vor einer Operation steht, sollte die Einnahme vorher ärztlich oder in der Apotheke abklären.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Johanniskraut kann die Wirkung zahlreicher Medikamente abschwächen. Er stellt kein Heilversprechen dar. Bei Fragen zu Wechselwirkungen, bestehenden Erkrankungen oder vor einer Operation wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke. In Notfällen wählen Sie den Notruf 112.

Quellen & Literatur

  1. British Journal of Pharmacology (2020). Clinical relevance of St. John's wort drug interactions revisited. Abgerufen 2026.
  2. Contraception (2005). Interaction of St. John's Wort with oral contraceptives. Abgerufen 2026.
  3. JAMA (2001). Herbal medicines and perioperative care. Abgerufen 2026.
  4. IQWiG / gesundheitsinformation.de. Johanniskraut und Wechselwirkungen mit Medikamenten. Abgerufen 2026.

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