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Holunderblütentee bei Erkältung: Schwitzkur richtig gemacht

Holunderblütentee gilt als klassischer Schwitztee für den Beginn einer Erkältung. Wie stark er wirklich schweißtreibend wirkt, ist wissenschaftlich aber gar nicht so eindeutig – vieles liegt schlicht am heißen Wasser. Dieser Beitrag zeigt die richtige Schwitzkur und die Grenzen, an denen sie aufhört.

WW
Wurzelwerk-Redaktion
Aktualisiert am 8. Juni 2026 · 8 Min. Lesezeit
Eine dampfende Tasse hellgoldener Holunderblütentee neben getrockneten Holunderblüten auf einem Holztisch, warm zugedeckt im Hintergrund
Ein halber Liter heißer Holunderblütentee ist der Kern der traditionellen Schwitzkur · Bildmotiv

Kaum ein Hausmittel ist so fest mit der Erkältungszeit verbunden wie eine heiße Tasse Holunderblütentee. „Ordentlich durchschwitzen, dann ist die Erkältung schneller vorbei" – diesen Satz kennt fast jeder aus der eigenen Familie. Doch wie viel davon geht wirklich auf die Holunderblüte zurück, und wie viel auf das heiße Wasser? Dieser Beitrag ordnet die Wirkung ehrlich ein, erklärt Schritt für Schritt, wie eine Schwitzkur gemacht wird – und sagt klar, wann sie nicht angebracht ist und der Weg stattdessen zum Arzt führt.

Wie wirkt Holunderblütentee bei einer Erkältung?

Die Blüten des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) sind ein altes Erkältungsmittel. Sie enthalten Flavonoide, kleine Mengen ätherisches Öl, Schleim- und Gerbstoffe. Traditionell gilt Holunderblütentee als schweißtreibend (diaphoretisch): Er soll den Körper zum Schwitzen bringen und so eine beginnende Erkältung „ausleiten". Das Europäische Arzneimittelamt (EMA) führt Holunderblüten in einer eigenen Pflanzen-Monographie als traditionell angewendetes Mittel zur Linderung früher Erkältungssymptome. Auch die frühere Kommission E bewertete die Droge als schweißtreibend bei Erkältungskrankheiten positiv.

Bei aller Tradition lohnt der ehrliche Blick: Ein spezifischer, allein den Holunderblüten zuzuschreibender Schwitzeffekt ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. „Traditionell angewendet" heißt genau das – die Anwendung stützt sich auf lange Erfahrung, nicht auf große klinische Beweisketten. Wahrscheinlich beruht ein guter Teil des Effekts schlicht auf der zugeführten Wärme und Flüssigkeit: Ein halber Liter heißer Tee treibt Kreislauf und Schweißdrüsen an, ganz gleich, welches Kraut darin zieht. Das schmälert den Wert des Hausmittels nicht – warm, viel Flüssigkeit und Ruhe tun bei einer Erkältung nachweislich gut –, es rückt nur die Erwartungen zurecht. Studien deuten darauf hin, dass Zubereitungen aus Holunder (vor allem den Beeren) die Dauer von Erkältungssymptomen etwas verkürzen könnten; die Datenlage ist aber schwach und betrifft nicht speziell den Blütentee.

Einordnung

Die schweißtreibende Wirkung der Holunderblüte ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Ein großer Teil des Schwitzeffekts geht vermutlich auf das heiße Wasser zurück, nicht speziell auf das Kraut. Holunderblütentee ist ein traditionelles Hausmittel zur Unterstützung bei beginnender Erkältung – kein Heilmittel und kein Ersatz für ärztliche Abklärung, wenn Beschwerden stark sind oder anhalten.

Die Schwitzkur mit Holunderblüten – Schritt für Schritt

Eine Schwitzkur ist keine Zauberformel, sondern eine geordnete kleine Ruhephase mit heißem Tee. Sie ist etwas für kreislaufstabile Erwachsene und nur für den Beginn eines Infekts gedacht – nicht bei bereits hohem Fieber. So geht sie:

  • Ein bis zwei Teelöffel getrocknete Holunderblüten pro Tasse mit sprudelnd kochendem Wasser übergießen.
  • Zugedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
  • Insgesamt etwa einen halben Liter möglichst warm und ungesüßt in kleinen Schlucken trinken.
  • Danach warm zugedeckt ins Bett legen und dort bleiben.
  • Nach dem Schwitzen die durchgeschwitzte Wäsche wechseln und Zugluft meiden.

Warum ungesüßt und warm? Sehr warmer Tee bringt den Kreislauf und die Schweißbildung eher in Gang als lauwarmer; Zucker ist für den Schwitzeffekt unnötig, ein wenig Honig ist erlaubt, für Kinder unter einem Jahr aber tabu. Das Abdecken beim Ziehen bewahrt zugleich die flüchtigen ätherischen Öle. Wer die Zubereitung von Tees grundsätzlich vertiefen möchte, findet die Unterschiede in unserem Beitrag zu Aufguss, Abkochung und Kaltauszug erklärt. Wichtig ist die anschließende Bettruhe: Das Schwitzen belastet den Kreislauf, und wer danach fröstelnd durch die Wohnung läuft, hat wenig gewonnen.

ca. 0,5 l
Sehr warmer, ungesüßter Tee auf einmal – der Kern der Schwitzkur
1–2 Tage
In diesem Frühstadium ist die Schwitzkur traditionell am sinnvollsten
> 3 Tage
Hält Fieber länger an, gehört die Ursache ärztlich abgeklärt

Wie viel am Tag – und ab wann, wie lange?

Neben der einmaligen Schwitzkur lässt sich Holunderblütentee auch als mildes, warmes Getränk über den Tag trinken. Üblich sind dann zwei bis vier Tassen, jeweils frisch aufgebrüht. Reichlich zu trinken ist bei einer fieberhaften Erkältung ohnehin sinnvoll, weil der Körper über den Schweiß Flüssigkeit verliert. Als Dauergetränk über Wochen ist der Tee dagegen nicht gedacht – er ist eine unterstützende Kur für die akute Phase.

Das Timing entscheidet über den Nutzen. Am besten passt die wärmende Schwitzkur ganz zu Beginn, in den ersten ein bis zwei Tagen, wenn Frösteln, Halskratzen und Abgeschlagenheit einsetzen. Genau dieses Frühstadium meint die alte Regel vom „Durchschwitzen". Geht die Erkältung in einen festsitzenden, verschleimten Husten über, sind eher auswurffördernde Kräuter gefragt – warum dann etwa Thymiantee zum verschleimten Husten passt, haben wir gesondert beschrieben. Und wer die Anfälligkeit für Erkältungen überhaupt senken möchte, findet in unserem Beitrag dazu, was die Studien zu Echinacea in der Vorbeugung wirklich zeigen, eine nüchterne Einordnung. Als weiteres warmes Hausmittel für die Erkältungszeit taugt auch ein selbst gemachter Zwiebelsirup.

SituationPasst die Schwitzkur?
Beginnende Erkältung mit Frösteln, kreislaufstabiler ErwachsenerJa – traditionell hier am sinnvollsten: halber Liter warm, ungesüßt, danach Bettruhe.
Bereits hohes Fieber oder KreislaufschwächeNein – zusätzliches Schwitzen belastet den Kreislauf; jetzt zählen Ruhe, Trinken und ärztliche Abklärung.
Kinder und KleinkinderNein – keine gezielte Schwitzkur; Kinder überhitzen und trocknen schneller aus. Warmer Tee in kleinen Mengen und Ruhe genügen.
Festsitzender, verschleimter HustenEher nicht – dann sind auswurffördernde Kräuter wie Thymian die passendere Wahl.

Kinder, Schwangere und Sicherheit

Als mildes, heiß überbrühtes Getränk gilt Holunderblütentee in üblichen Teemengen als gut verträglich. Die gezielte Schwitzkur ist jedoch nichts für Kinder: Sie überhitzen und dehydrieren schneller als Erwachsene, weshalb bei ihnen Trinken, Ruhe und – bei Bedarf – eine altersgerechte ärztliche Fiebersenkung im Vordergrund stehen. In der Schwangerschaft spricht gegen den gelegentlichen Tee wenig, doch ausdrückliches Schwitzenlassen und große Mengen sollte man meiden und die Anwendung im Zweifel ärztlich abklären.

Zwei Sicherheitshinweise sind wichtig. Erstens: Holunderblüten immer als Tee heiß überbrühen und keine rohen Blüten oder unreifen Pflanzenteile verwenden – rohe und unreife Teile des Holunders enthalten Stoffe, die Übelkeit auslösen können und beim Trocknen und Erhitzen abgebaut werden. Zweitens: Der Holunderblütentee ist nicht mit dem Holunderbeeren-Saft zu verwechseln, der ein anderes Hausmittel ist. Wer den Schwitzansatz interessant findet, aber eigentlich das gegenteilige Problem hat – etwa nächtliches Schwitzen –, liest dazu unseren Beitrag über Salbeitee gegen nächtliches Schwitzen, der die Wirkrichtung genau umkehrt.

Wann Fieber ärztlich abgeklärt gehört

Ein Schwitztee lindert Symptome, klärt aber keine Ursache. Ärztlich abgeklärt gehört Fieber, das länger als drei Tage anhält oder erneut ansteigt, sowie sehr hohes Fieber über 39,5 Grad. Warnzeichen sind Atemnot, ein steifer Nacken, starke Kopf- oder Ohrenschmerzen, Hautausschlag, Benommenheit oder deutliche Kreislaufschwäche. Bei Säuglingen, Kleinkindern, Schwangeren und chronisch Kranken früher reagieren. Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, bespricht pflanzliche Mittel mit Arzt oder Apotheke – Johanniskraut etwa kann die Wirkung zahlreicher Medikamente abschwächen. Bei akuter schwerer Atemnot oder Bewusstseinstrübung gilt der Notruf 112.

Häufige Fragen

Wie wirkt Holunderblütentee bei einer Erkältung?

Holunderblüten enthalten Flavonoide und geringe Mengen ätherisches Öl und gelten traditionell als schweißtreibend (diaphoretisch). Eindeutig wissenschaftlich belegt ist diese Wirkung allerdings nicht. Vieles am Schwitzeffekt dürfte schlicht auf dem heißen Wasser beruhen: Warme Flüssigkeit regt Kreislauf und Schweißdrüsen an, unabhängig vom Kraut. Der Tee ist ein traditionelles Hausmittel zur Unterstützung bei beginnender Erkältung, kein Mittel, das den Infekt heilt.

Wie macht man eine Schwitzkur mit Holunderblüten?

Man brüht etwa einen halben Liter Holunderblütentee mit sprudelnd kochendem Wasser auf, lässt ihn zugedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen und trinkt ihn möglichst warm und ungesüßt in kleinen Schlucken. Danach legt man sich warm zugedeckt ins Bett und bleibt dort. Sinnvoll ist die Schwitzkur nur ganz zu Beginn eines Infekts und nur bei kreislaufstabilen Erwachsenen. Nach dem Schwitzen die durchgeschwitzte Wäsche wechseln und Zugluft meiden.

Wie viel Holunderblütentee sollte man am Tag trinken?

Für eine Tasse rechnet man ein bis zwei Teelöffel getrocknete Holunderblüten. Über den Tag verteilt sind zwei bis vier Tassen üblich; für eine gezielte Schwitzkur trinkt man auf einmal etwa einen halben Liter sehr warm. Reichlich trinken ist bei Fieber ohnehin wichtig, weil der Körper über den Schweiß Flüssigkeit verliert. Als Dauergetränk ist der Tee nicht gedacht.

Ab wann und wie lange sollte man ihn bei Erkältung trinken?

Die Schwitzkur passt vor allem in den ersten ein bis zwei Tagen, wenn Frösteln, Kratzen im Hals und Abgeschlagenheit beginnen. In diesem Frühstadium ist der wärmende, schweißtreibende Ansatz traditionell am sinnvollsten. Als unterstützendes warmes Getränk kann man Holunderblütentee über einige Tage weitertrinken. Bessern sich die Beschwerden nach etwa einer Woche nicht oder verschlimmern sie sich, gehört die Ursache ärztlich abgeklärt.

Ist Holunderblütentee für Kinder und Schwangere geeignet?

Holunderblütentee als mildes, warmes Getränk gilt in üblichen Teemengen als gut verträglich. Eine gezielte Schwitzkur ist für Kinder jedoch nicht geeignet, weil sie schneller überhitzen und austrocknen; hier stehen Trinken und Ruhe im Vordergrund. In der Schwangerschaft spricht gegen den gelegentlichen Tee wenig, doch ausdrückliches Schwitzen und hohe Mengen sollte man meiden und die Anwendung im Zweifel ärztlich abklären. Wichtig ist, Holunderblüten immer als Tee heiß zu überbrühen und rohe Blüten oder unreife Pflanzenteile zu meiden.

Wann sollte man mit Fieber zum Arzt?

Ärztlich abgeklärt gehört Fieber, das länger als drei Tage anhält oder erneut ansteigt, sowie sehr hohes Fieber über 39,5 Grad. Warnzeichen sind Atemnot, ein steifer Nacken, starke Kopf- oder Ohrenschmerzen, Hautausschlag, Benommenheit oder deutliche Kreislaufschwäche. Bei Säuglingen, Kleinkindern, Schwangeren und chronisch Kranken sollte man früher und niedrigschwelliger reagieren. Bei akuter schwerer Atemnot oder Bewusstseinstrübung gilt der Notruf 112.

Quellen & Literatur

  1. European Medicines Agency (HMPC). European Union herbal monograph on Sambucus nigra L., flos. Abgerufen 2026.
  2. Kommission E / BfArM. Monographie Sambuci flos (Holunderblüten). Abgerufen 2026.
  3. IQWiG / gesundheitsinformation.de. Erkältung – Überblick, Verlauf und wann ärztliche Abklärung nötig ist. Abgerufen 2026.
  4. ESCOP Monographs. Sambuci flos (Elder flower). European Scientific Cooperative on Phytotherapy. Abgerufen 2026.

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